Die verborgene Botschaft der Depression



Depression aus systemischer Sicht können wir als einen unbewussten Versuch betrachten, eine tiefere Schuld oder Tat, ein Geheimnis, eine Lüge, eine verdrängte Unwahrheit auszugleichen. Depression bedeutet in diesem Sinne innerlich zu leiden, nichts zu tun, abzuwarten, dass das Leben geschieht, innerlich abtrennen, sterben wollen, nichts fühlen um die Schuld ob nun bewusst oder unbewusst wieder in Balance zu bringen.


Themen für Schuldgefühle können Trennung, Gewalt, Mord, Lügen, Diebstahl, Missbrauch, Abtreibung, Kinder weggeben/ loslassen,… sein. Das muss nicht mal in deinem Leben geschehen sein. Auch verborgene Taten deiner Eltern, deiner Vorfahren, Familiengeheimnisse, Kriegsgeschehen und alles Unausgesprochen/ Ungesehene können sich durch deine Symptomatik der Depression bemerkbar machen. Du fungierst dann in einem grösseren Feld als Leuchtturm, als Signalgeber (Auch gern die schwarzen Schafe der Familie) für eine tiefere verdrängte Wahrheit und zahlst einen hohen Preis dafür. Die Depression dient uns dann als Überlebensstruktur, die gerade die tieferen Gefühle der Taten verhindern wahrzunehmen, zu sehen und vor allem zu fühlen.


Das Schlimme oder Problematische daran ist, dass der unbewusste Versuch die Taten durch das eigene Leiden, die Depression oder gar Krankheiten ausgleichen zu wollen, niemandem etwas bringt. Nicht der Schuld, den Betroffenen, der Situation um die es in der Tiefe geht und auch nicht dir als Symptomträger und somit deinem Leben. Du bleibst stehen, du stirbst und die, die betroffen sind, schwirren immer noch in Unruhe durch diese Welt, können keinen inneren Frieden finden. Doppelter Schmerz, doppeltes Leid, wie Bert Hellinger es auch wunderbar in der „Liebe des Geistes“ beschreibt.


Die Sühne oder der Preis den du zahlst, verbirgt sich tief in deinem Unterbewusstsein und ist Teil unseres Mensch-Seins. Es ist ein natürliches Bedürfnis ausgleichen zu wollen. Schau dir unsere Welt an. Alles ist perfekt miteinander verbunden und harmoniert im Einklang. Leben und Tod. Das scheinbar leblose Sandkorn in der Wüste, welches durch den Wind tausende Kilometer in ferne Länder getragen wird, stellt an andere Stelle die wichtigste Basis für neues Leben, Pflanzen und Wachstum dar. Ein komplexes ineinander verwobenes System. So sind auch wir Menschen und unsere Systeme, unsere Familien. Fällt jemand weg, bricht etwas zusammen, wird jemand krank, wird etwas verschwiegen, muss das System nach Ausgleich streben und Stellvertreter, Krankheiten, Symptome an die ungesehen, verborgene Stelle setzen um wieder im perfekten Ausgleich zu sein.

In Beziehungen ist das ebenso zu beobachten. Gibt einer immer, kann der andere irgendwann nicht mehr nehmen. Nimmt eine immer, will die andere irgendwann nicht mehr geben.


Die Schwierigkeit und gleichzeitig die Chance der Depression ist zu erkennen, dass das Nichts - Tun, das im Bett liegen, das innerlich leiden und sterben wollen, anderen die Schuld für das eigene Elend geben zu wollen, in der tiefe bedeutet, sich nicht voll und ganz für das eigene Leben, die eigenen Entscheidungen, die eigenen Taten, die eigene innere Wahrheit verantwortungsvoll zu entscheiden. Es ist eine Weigerung voll auf dieser Welt zu inkarnieren und mit ihr zu sein. Lieber nichts fühlen und nichts tun, lieber nicht den Schmerz der Schatten spüren, lieber nicht den Opfern deiner Taten in die Augen schauen, lieber aus der Beziehung fliehen, lieber nicht in den Spiegel schauen, lieber sterben als leben,


Was kann hier ein Weg sein? Bert Hellinger schreibt vom versöhnenden Handeln. Wir könnten dies auch beschreiben als mutig, liebevolles Tun.

Du schaust der Situation und den Menschen die es betrifft geradewegs in die Augen. Du suchst sie auf, wenn sie noch leben, Du stellst dich ihnen. Wenn dies zu gross ist oder nicht mehr möglich, dann kann ein Beginn sein, dies innerlich für dich zu tun.

Du verbeugst dich, du gehst auf die Knie, du legst dich flach auf den Boden und lässt jeden Kampf los und fühlst alles was gefühlt werden will. All den Schmerz, alle Wut, die Schuld, die Angst, die Konsequenzen für dein Leben, alles was sich in deinem Körper und der Situation verbirgt. Vielleicht kommt am Anfang gar nichts und du fühlst nur Spannung und Widerstand. Steh auf und wiederhole die Verbeugung. Geh immer wieder zu Boden, bis dein Panzer aufbricht. Mach dies mindestens 7 mal.

Du entschuldigst dich, keine Rechtfertigung. Ob der andere deine Entschuldigung annimmt ist nicht deine Verantwortung. Für dich ist nur wichtig, den anderen, die Situation, alles bis jetzt noch nicht Gesehene und Verborgene JETZT einen Platz in deinem Herzen zu geben.

Ab JETZT wirst du mit allem was noch übrig geblieben ist, allem was dir noch an Mitteln, Kraft, Liebe, Raum und Zeit zur Verfügung steht etwas in die Welt setzen, etwas schaffen, etwas tun.


Deine oder die Taten deiner Vorfahren, sollen Anteil haben in allem was nun Gutes aus dir herausfliessen möchte. Das bis jetzt noch Ungesehene, welches dir Kraft und Energie raubte, wird ab JETZT eine Kraftquelle, eine Inspiration, der Motor deiner Schritte sein. Der Schmerz hat sich in Kraft und in deinen wichtigsten Zugang zur Spiritualität, Schaffenskraft und allem was du ab jetzt in die Welt setzen wirst, verwandelt.


Vielleicht eine neue Liebe, eine Beziehung, ein neues Projekt, der Schritt deine Berufung voll und ganz zu Leben, eine neuer Lebensort, der Entschluss, da wo du bist voll und ganz anzukommen und noch mehr Verantwortung für dich und deine Liebsten zu nehmen.

Die verborgene Schuld, hat sich in Verantwortung und Kraft verwandelt, hat ein Ziel, eine neue Richtung bekommen und braucht nicht mehr in deinem Körper als Symptom der Depression zu verharren. Flucht ist nicht mehr notwendig. Das, wovor du in der Depression insgeheim geflohen bist, ist nun ein Teil von dir geworden.

Dadurch wird auch der andere/ die verborgene Geschichte, das Familiengeheimnis, die verdeckte Tat- ob er/ sie/ es noch lebt oder nicht - sich innerlich befreien können und wieder in Liebe fließen.

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