Die frustrierten Männer und ihre Heilung

Die Kriege, die wir in unseren Beziehungen beenden dürfen.


Es scheint ein kollektives Thema zu sein. Die Männer rackern, leisten, schuften, wollen Verantwortung tragen, stark sein, für die Familie sorgen, Zeit für die Kinder haben, einer guten Arbeit nachgehen, reich sein, Sinn spüren, Frieden erfahren, Leidenschaft und Erotik leben können, die perfekte Beziehung geniessen, stark und sicher an der Seite ihrer Frau sein können. Sie wollen eingebunden sein und gehalten durch andere Männer und dabei ihre ganz eigene Kraft entdecken, entwicklen und ausleben.


Das Gegenteil ist häufig der Fall.

In unseren Kleinfamilien und Beziehungen herrscht Krieg. Männer sind frustriert. Ihre Frauen haben sich auf Grund ihrer nach innen oder nach aussen gerichteten Gewalt von Ihnen abgewandt. Sie leiden. Beide.


Bemüht versuchen sie noch irgendwie am Ball zu bleiben. Gehen ihrer Arbeit nach, spielen die Versorger. Manövrieren sich in machtvolle Positionen, die auf EGO-basierten Zielen aufgebaut sind. Mehr haben, Kontrolle, Gier, Mangel stopfen, Angst verdrängen. Oder sie leben mittlerweile getrennt, allein in ihrer Hochburg, zurückgezogen, haben sich dann als Coaches selbstständig gemacht, begleiten nun hunderte Frauen und verkümmern in ihrer Einsamkeit.

Das ist schlimm.


Ich lebe nun seit einigen Wochen wieder in Sachsen und immer deutlicher wird mir die kollektive Herausforderung für uns als im Osten geborene Männer.


Die Beziehung zur Frau ist eine Katastrophe. Beleidigter Rückzug, auf den Tisch hauen, Schmollen, noch mehr arbeiten, Nicht-Wissen, Leer sein, keine Ahnung haben, Verantwortung abgeben, Überverantwortlich sein und viele andere Strategien zeigen auf, wie sehr die Angst vor der Begegnung ist. Konflikte konstruktiv führen, Dialog, Austausch, Intimität, findet höchstens in feuchten Träumen statt oder beim heimlichen masturbieren während des nächsten Pornos.


Die Begegnung mit sich selbst als Mann und somit die Begegnung mit der Größe der Frau scheint viel zu bedrohlich.

Das Sexleben ist eingeschlafen. Vielleicht einmal im Monat und dann ist nach ein paar Minuten abgetrennten Sex Schluss. Es findet kein Spiel, keine Erotik, keine Leidenschaft, kein Kennenlernen, kein Entdecken mehr statt.

Sex dient überwiegend dem Druckabbau.


Dem gegenüber steht dann die verschlossene, „schuldige“ Frau, die doch mal was an ihrer Frigidität ändern sollte. Da dies nicht geschieht, wartet der Mann und wartet und wird frustrierter und frustriert. Schluckt herunter und wird irgendwann gewalttätig. Entweder nach Aussen in Form von verbaler oder physischer, emotionaler oder sexueller Gewalt oder nach Innen in Form von Depression, Selbstzweifeln, Ängsten, Alkoholismus, Sucht, Fressen, übertriebenem Sport, Rückzug.


Vielleicht sucht er sich eine andere. Eine, die das Leid halten kann. Eine die ganz für ihn da ist.


Eine Mama verpackt im erotischen Kostüm einer 20 Jahre jüngeren Frau.


Die Eier sind ab!

Oder die Mutter hält sie noch immer in den Händen.


So viele Männer sind nach wie vor gebunden an ihr Elternhaus, pflegen eine intimere Beziehung zur eigenen Mutter, statt zu ihrer Frau und fragen sich, warum es nicht mit der Beziehung läuft. Trauma. Wir Männer sind traumatisiert und wissen es gar nicht. Mit dem Trauma gehen wir dann in unsere Beziehungen und verstehen nicht, warum die von uns erhofften Ziele und Wünsche nicht in in Erfüllung gehen. Wir verschenken bei erster Verliebtheit unsere inneren, abgespaltenen und verletzen Jungs an den/ die andere. „Bitte kümmere dich um mein Leid. Bitte sei für mich da! Bitte mach, dass es mir gut geht.” Narzissmus.


Ich verspüre Mitgefühl und kenne die Hintergründe. Es fehlt uns an Aufarbeitung und Konfrontation mit unseren seelischen Verletzungen und an gesunden männlichen Vorbildern. Männer die noch Ehre und Würde im Herzen tragen, Männer, die in den Dienst einer Sache treten, die fern ab ist von EGO-Spielchen. Eine Sache zum Wohle aller. Ein Dienst zum Wohle dieser Erde.


Die Männer der Vergangenheit waren entweder weg, besoffen, auf der Arbeit oder verstummt, verwundet durch andere Verwundete und unfähig ihre eigenen Verletzungen aufzuarbeiten.

Vielleicht weil die Angst vor dem Schmerz in der Dunkelheit zu gross war, vielleicht weil Hilflosigkeit regierte.

Die Quelle des Frustes verbirgt sich immer im Mann selbst. Nichts und niemand, vor allem nicht die Beziehung zur Frau wird diese alte Wunde schließen können. Je länger wir warten, desto größer der Schaden unserer Unbewusstheit. Es geht nicht darum perfekt zu sein.


Es geht darum dich zu erkennen!

Die Wut und die Trauer über den Verlust männlicher Vorbilder, den fehlenden Vater, die desolaten Familienverhältnisse, die unausgesprochenen Geheimnisse, die Gewalt, den Missbrauch, die verborgenen Loyalitäten…

…ist absolut berechtigt und braucht Aufmerksamkeit, Zeit und Hingabe, sowie mutige Pionierarbeit. Gefühle erkennen, integrieren und all die abgespaltenen Anteile deiner Selbst wieder nach Hause holen.


Ebenso kleben im Schoß des Mannes noch die vergangenen, ungeklärten Beziehungen, die Verstrickungen des eigenen Familiensystems, das eigene missbräuchliche Verhalten und die kollektive Angst vor der sexuellen, schöpferischen Lebenskraft, die im sicheren Angestelltenverhältnis stirbt.

MANN!

Da hab ich keinen Bock drauf.


Ich will das Wilde, Unangepasste und würdevolle Leben. Dafür stell ich mich zur Verfügung. Für meine Frau, für meine Kinder und für das Wohl dieser Erde. Zum Dienste der Natur und den Kräften, die uns tragen. Für Demut und Hingabe, für Lebensfluss und innere Stärke, für Schmutz und Dreck, für Liebe, Licht und Schatten.


Suche dir Gemeinschaften, die nicht nur händchenhaltend um der Harmonie wegen Konflikten aus dem Weg gehen, sondern schnapp dir Männer in deinem Umfeld die Bock auf Veränderung haben. Männer die mutig sind ihr Sein in den Dienst einer bedeutsamen Sache zu stellen.


Männer die dir noch in die Augen schauen können.

Wenn es diese nicht gibt, dann beginne bei dir und arbeite mit dem was gerade da ist.


Und dann geh genährt in die Systeme, die genau diese Veränderung am meisten brauchen. Die Schulen, Die Gefängnisse, die Ämter, die Gesundheitssysteme, die Politik, die Familien, die Beziehungen,…

In Verbundenheit,

Maik

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