Das Problem der Therapie/ des Coachings



Die Therapie, das Coaching oder die Beratung wie wir sie grundlegend mit unserer westlichen Psychologie entwickelt haben beruht in der Basis meistens auf dem Grundgedanken, dass der Mensch, so wie er mit seiner Diagnose in die Praxis kommt (noch) nicht richtig sei und Behandlung X bräuche um zum richtigen/ normalen Zustand Y zu gelangen. In Coachings ist dies nicht anders. So wie es jetzt ist, ist es nicht richtig, also muss irgendetwas geschehen, sodass es besser wird. Wir suchen uns dann andere Menschen die uns inspirieren oder mit Tricks und Techniken dazu verhelfen sollen, unsere miserable Lage zu verstehen und sie zu verändern.


Ich stelle fest, nach langer Selbsterfahrung durch Therapie, Coachings, Aufstellungen, Workshops, Meditationen, tausenden Euros an Selbstinvestition, Reflexion, Analyse und Interpretation, warum mein Leben ist wie es ist, dass ich eigentlich NICHTS weiss und das ganze Wissen mir letztendlich nichts gebracht hat, ausser Neues, was ich nicht be-greifen kann, wodurch ich mich wieder besonders anstrengen darf, um meine unangenehmen Gefühle zu verdrängen und neue Weisheiten zu erlernen. Was für ein Karussel!


Solange wir glauben, dass das jetzt nicht richtig sei, schaffen wir Leid. Der Gedanke der Mensch, so wie er ist sei nicht richtig, jemand mit Depression sei nicht richtig, jemand mit Schizophrenie sei gestört, mit bipolarer Störung müsse behandelt werden, Psychose beseitigt, Täter weggesperrt, zeugt von einem Weltbild indem wir bewusst oder unbewusst glauben über andere richten, entscheiden und urteilen zu können. Als wir auf Gottes Thron sässen um zu bestimmen wer gut und wer böse ist.

Und genau dieser Moment, indem wir denken anderen helfen zu müssen, sie zu diagnostizieren, sie zu behandeln, weil sie nicht stimmen ist genau der Moment indem wir uns selbst abspalten und diese Abspaltung unbewusst auf unsere Klienten projizieren. Wir behandeln also unsere innere Abtrennung am Menschen gegenüber. Paradox nicht wahr? Wir wollen doch als Coaches und Berater helfen und diese Welt zu einem besseren Ort machen! Wir Heiler und Behandler wollen doch von Bedeutung sein!

Frag dich was eigentlich tief unter deiner Motivation anderen helfen zu wollen steckt. Verbergen sich da alte Kompensationsstrategien, den eigenen Verlust und den Schmerz nicht fühlen zu wollen? Was treibt dich in der Tiefe deiner Seele wirklich an, anderen helfen zu wollen?


An dieser Stelle spreche ich kein Urteil aus. Wer bin ich zu wissen was richtig und was falsch ist. Alles was ich schreibe sind meine eigenen Erfahrung auf meinem Weg und die Beobachtungen und geteilten Wege mit allen Menschen in meiner Arbeit. Mir ist auch völlig klar, dass ich nicht Frau von Gut und Böse bin. Diese Dualität lebt ebenso in mir. Ich tappe immer wieder in diese Falle hinein.

ich sehe aber auch immer mehr, dass es nicht mehr ausreicht auf Gottes Thron zu sitzen. Es verändert nichts. Im Gegenteil, wir schaffen nur noch mehr Leid. Wieviel konkrete Gesundheit ist mit dem Zuwachs aller Coaches und Therapeuten gewachsen? Leben wir gesünder? Haben sich Familienkonstrukte verbessert? Sind wir angebundener in unseren Systemen? Leben wir gesünder als früher durch alle neuen therapeutischen Modelle? Interessanterweise steigen die „Erkrankten“ - Zahlen im Laufe der Jahre an.

Was wäre denn, wenn die Erkrankten gar keine Kranken, sondern ebenso Finger derselben Hand wie die scheinbar „Gesunden“ unserer Welt wären? Was wäre denn, wenn ich auch du wäre und in der Tiefe unserer Seele, unserer Begegnung, mich von dir in keinster Weise etwas unterscheide?

Was würde dies mit einer Therapiesitzung machen? Wie würden wir dann Coachings aufbauen? Bräuchte es dann noch lösungorientierte Gesprächsstrukturne und Wunderfragen? Müsste dann überhaupt noch etwas gelöst werden? Was ist dann eigentlich noch ein Problem und vor allem wer hat gerade ein Problem?

Wir brauchen keine Retter mehr, keine Erlöser, denn diese gibt es nicht und wird es niemals geben. Stärker noch: Jeder Gedanke an einen Erretter oder einen tollen Coach, der kommen wird um dich zu erlösen wird absolut nichts verändern, Null. Es wird dich sogar in deiner Verantwortung dein Leben JETZT zu leben schwächen. Es wird dich schwächen verantwortungsvoll an dieser Welt teilzuhaben, zu lieben und zu sein.

Es ist an der Zeit grundlegend die therapeutischen Modelle und Coachingstrukturen, die Art wie wir Menschen begleiten zu überdenken, sie zu hinterfragen, zu überlegen auf welchen Strukturen diese aufgebaut sind.

Gehen wir weit zurück kommen wir auf blutige Vertreibungen, Abschlachtungen, Hexenverbrennungen Zerstörung alter Naturweisheiten. Denn wo Angst entsteht und altes Wissen der Verbundenheit und Autonomie der Seele zerstört wird, kann mit Macht regiert und kontrolliert werden.

Der alte Therapeut, der wisse was für den Klienten richtig sei ist gestorben. Es ist vorbei. Wir brauchen niemanden, der uns errettet, denn das einzige was wir erkennen dürfen ist, dass wir schon immer bedingungslose Liebe waren und dies immer sein werden. Nenn es Gott, nenn es Energie, nenn es Spiritualität, nenn es Seele, die sich in deinem menschlichen Körper manifestiert hat. Es ist völlig egal welchen Namen du dafür wählst. Eins ist klar. All das was du bist, bin auch ich, der Baum da draussen, das Auto, dein Ex-Partner, dein ätzender Chef, dein forderndes Kind, deine verhassten Eltern, deine geliebten Freunde, dein Therapeut, dein Coach. Alles was du draussen siehst, bist du und umgekehrt. Jeder Versuch das da draussen von dir zu trennen und Grenzen zu ziehen, spaltet dich von dir selbst ab. Du bist Teil, ich bin Teil, wir sind.


Öffne dein Herz für diese Welt und die Fülle die sie bereit hält. Wach aus deinem langen Schlaf auf und lebe.


In Liebe für alles was ist

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